2005/04 Archives

April 25, 2005 7:18

Was geht mich ICANN an?

Ja, was gehen mich ICANN, WSIS, Software-Patente, DCMA, Privatkopie, P2P-Wars und all das eigentlich an? "Nicht all zu viel, so lang es mich nicht direkt betrifft.." - Das denken wahrscheinlich viel zu viele Menschen auf diesem Planeten und kümmern sich wahrscheinlich auch nicht großartig darum, daß ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und Privatsphäre allerorten im Begriff ist, aufgeweicht und eingeschränkt zu werden - so etwas passiert schließlich nur in diktatorischen und undemokratischen politischen Systemen.
Für die Erkenntnis, daß das nicht immer so ist und seine Rechte nicht immer einfach so aufrecht erhalten werden, wenn man sich nicht darum kümmert, hat mich Joi Itos Rede auf dem diesjährigen 21C3 wach gerüttelt (Jetzt ärgere ich mich auch ziemlich, daß ich mir das nicht persönlich angehört habe), die man wie auch alle anderen Vorträge (Der über den GameCube war auch ganz nett ;) hier (via schrankmonster blog) oder per bittorrent bekommen kann. Ich hoffe, jeder meiner LeserInnen nimmt sich einmal die Zeit, es sich anzuhören, was der gute Ito da erzählt hat, denn das ist schon ziemlich revolutionär im Vergleich zu dem, was unsere hiesigen Politiker vom sich geben - Von denen habe ich jedenfalls kaum etwas darüber gehört, wie sie uns vor den Interessen der multinationalen Konzerne schützen wollen bzw. ob und wie man nicht unser heutiges demokratisches System eventuell verbessern könnte. In dem Kontext sollte jeder einmal überlegen, sich nicht ein wenig mehr zu engagieren, und sei es auch nur, indem man mit seinen Freunden darüber disutiert, denn, auch wenn einem abgeholzte Wäder egal sind, wenn der letzte MPlayer deinstalliert wurde, werdet ihr alle merken...

Author: nille | Permalink | Categories: kommentar

April 22, 2005 5:19

Guerilla Marketing

Warum, bildlich gesprochen, einen riesig großen Haufen Geld durch beispielsweise eine renomierte Werbeagentur und einen Banner-Hoster verbrennen lassen, damit die Rauchzeichen durchs Web wehen, wenn die User es einem doch gratis machen?
Das dachte sich wohl jüngst auch ein bekannter Anbieter von Foto-Galerien im Netz. Denn anstatt irgendwo Bannerwerbung zu schalten, bot er ein Feature an, das es einem erlaubt, zufällige Thumbnails der bei ihm gehosteten Bilder auf seiner Website oder Weblog anzeigen zu lassen. Das ist zwar an sich schon eine interessante Sache, aber ich prophezeihe, daß es marketigtechnisch einschlagen wird wie eine Bombe.
Ich habe die Bildchen schon auf einigen A-Class-Blogs gesehen, ich denke, von dort aus wird es sich rasant nach unten ausbreiten und der Firma, die derzeit als ziemlich hip und innovativ gilt (auch wenn es womöglich bessere und interessantere Anbieter geben mag) einen massiven Zustrom neuer Kunden verschaffen wird. Das wird den Anbieter sicherlich freuen, man ist schließlich nicht die Heilsarmee, denn ob nun Premium-Member oder nicht, Geld bringen sie wohl alle.
Ich würde einfach zu gern durch die Mechanismen blicken, die eine solche Guerilla-Marketing-Lawine, beabsichtigt oder nicht, ins Rollen bringt, die dafür sorgen, daß etwas geht oder nicht. Auf der anderen Seite bin ich aber auch heilfroh, daß ich mich mit solch einem Kram nicht herumschlagen muß. Es wäre allerdings auch schön zu wissen, daß ich dies hier nicht immer nur für mich allein schreibe ;)

Author: nille | Permalink | Categories: net

April 21, 2005 5:18

Tag des Bieres

Am 23. April feiern wir (hoffentlich) alle das älteste Lebensmittelgesetz, das Bayerische Reinheitsgebot von 1516! Ich für meine Person werde mich jedenfalls garantiert an diesem mehr oder weniger offiziellen Tag des Bieres mit einem kühlen Pils in den Park hocken und ein herzliches "Prosit!" darauf aussprechen.

Author: nille | Permalink

April 21, 2005 5:00

Coffee and Cigarettes

Coffee and
Cigarettes 01 Achtung, dieser Film kann ihre Gesundheit gefährden!
Trotzdem - Gehen Sie bitte sofort zum Einzelhändler ihrer Wahl und verlangen Sie nach einer frischen Packung ihres Lieblingskaffees und ein Päckchen Zigaretten ihrer Wahl. Auf dem Wege nach Hause schauen Sie doch bei einer gut sortierten Videothek vorbei und leihen folgenden Film aus: Coffee and Cigarettes.
Coffee and
Cigarettes 02 Delirium?
Ach, Sie fragen, worum es geht in diesem herrlich schrägen Episodenfilm, in dem allerlei bekannte Schauspieler und Musiker sich selbst beim Kaffeetrinken darstellen? Naja, um verschiedene Themen.. Um Medizin, einmal um Notfallmedizin (Tom Waits), ein anderes Mal um alternative Medizin (RZA aka. Bobby Digital), die Visionen Nikola Teslas ("Er sah die Erde als Leiter akustischer Resonanz." - Jack shows Meg his Tesla Coil) sowie die gleichnamige Band, Verwandtschaft...
Coffee and
Cigarettes 03 Braucht Tom Waits etwa einen neuen Drummer?
Also, Kaffee aufgesetzt, eine ganze Kanne, schön schwarz, meinetwegen auch mit Milch und Zucker, nur nicht so einen neumodischen Kram wie Café Latté ;), Licht gedimmt, Becher geholt, eingeschenkt, Kippen aufgerissen, DVD in die Schieblade, Play gedrückt, dann können Sie sich nun ganz entspannt zurücklehnen und sich dem Genuß hingeben.
Aber seien Sie gewarnt: Schon der olle Paracelsus wußte, man solle alles in Maßen zu sich nehmen, sonst bekommt man schlimmen Raucherhusten und bei extremen Kaffee-Verzehr fühlen Sie sich, als wären Sie bei 200 km/h auf einem Indy-Car fest gebunden, sogar Delirium kann einsetzen - So wie anscheinend bei Bill Murray. Rauchen Sie nicht auf nüchternen Magen und trinken Sie nach dem Kaffee ruhig auch einmal ein Glas Wasser. Dank an Hannes für den Tip. Allerdings sei hiermit auch grügt, natürlich habe ich die ‘Duel Project‘-DVDs hier nicht bekommen - die hätten wir anstelle des Films aus dem Land der Froschschenkel (auch wenn wir weniger bezahlen mußten) lieber ansehen sollen.

Author: nille | Permalink | Categories: kino/dvd

April 21, 2005 4:55

Audiogames

Ich denke, man darf mit Fug und Recht behaupten, daß in der Videospiel-Branche die Entwicklung im Bereich Audio der Entwicklung von grafischen Belangen deutlich hinterher hinkt. Einigermaßen kann ich es noch nachvollziehen, daß sich Technologien, die Videospiele zum Beispiel fühlbar machen würden, also Force Feedback, nicht so recht durchgesetzt haben, da dies schließlich die Anschaffung neuer Peripherie-Geräte bedeuten würde und wahrscheinlich nicht so einfach umzusetzen wäre, würde man nicht gleich ganze Force-Feedback-Sessel oder ähnliches bauen. Eine Soundkarte hat hingegen jeder handelsübliche PC, meist sogar onboard und mit Raumklang. Aber selbst mit einfachem Stereosound ist sicherlich deutlich mehr möglich als heute geboten wird. Dabei meine ich mehrere Dinge: 1. Die Hintergrundmusik - Darüber braucht man sich eigentlich gar nicht unterhalten. Im Durchschnitts-Shooter bekommt man eigentlich nur den üblichen Billo-Techno oder schlechte, immer gleich klingende Hardrock-Mucke, wie von Linkin Park und anderen Ami-Kloppis heraus gewürgt, durch den Kopf geblasen. Jedes Spiel, welches man auch nur entfernt dem Adventure-Genre zuordnen könnte, wirkt so als hätte man es mit einem Casio-Keyboard aus dem Kaufhaus um die Ecke und allen faken Orchester-Instrumenten, die bei so einem Ding auf den Chip passen, vertont. Sport-Spiele sowie alles andere, von dem man meint, es auch an Menschen verkaufen zu müssen, die Videospielen ansonsten nicht so sehr zugeneigt sind und es vielleicht auch nur tun, weil es zu dem Lifestyle passen soll, den diese oder jene Zeitschrift gerade vorschreibt, werden vollgestopft mit den neuesten Auswürfen zusammengecasteter Pop-Bands, die sowieso schon an jeder Ecke für ihre Top40-Platzierung hausieren gehen müssen - Daß EA plant, ein eigenes Musiklabel für solch einen Müll zu gründen spricht meiner Meinung nach Bände. In Sachen dynamischer Hintergrundmusik, so scheint mir, hat sich seit iMuse auch nichts getan.
2. Die Umgebungsgeräusche. Ich glaube, mit der schlechten musikalischen Untermalung wird oftmals die noch mieserabelere Kulisse der Hintergrundgeräusche überdeckt. Egal ob man sich in einem Spiel in einer riesigen Kathedrale oder einem klaustrophobisch engen Flur bewegt, es klingt fast immer gleich. So authentisch die Räume und Landschaften grafisch auch dargestellt werden, das Hörerlebnis ist doch meist das gleiche, egal ob man in der Großstadt oder in der Wüste befindet, dabei weiß doch jedes Kind schon seit Alien, daß einen im Weltraum niemand schreien hört. Ähnlich ist es bei der Lautstärke: In der Nähe des in vielen Videospielen obligatorischen Wasserfalles wird man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen können, tritt, wenn man bei klirrender Kälte in Windstiller Nacht einen zugefrorenen See betritt, ein Spannungsbruch auf, wird man ihm noch kilometerweit hören - in der Realität, aber nicht im Spiel.
3. Auch sind die Hintergrundgeräusche fast immer statisch, der Spieler interagiert einfach nicht mit seiner Umgebung: Poltert man schwer bewaffnet durch den Dschungel, wird es wahrscheinlich totenstill werden oder einige Tiere ihre Artgenossen warnen. Selbst wenn man dies selbst in einem Spiel zu hören bekommt, seine Gegner oder andere NPCs tun dies meistens nicht, sie halten ihre Ohren noch so verschlossen, auch wenn sie kilometerweit ‘sehen können‘. Solche Abläfe wie die Tarnung in den Umgebungsgeräschen oder die Möglichkeit, den Gegner durch Geräusche abzulenken, sind meist nur Spielen wie Splinter Cell oder MGS vorbehalten, in dessen Sneak-Genre so etwas einen Großteil des Spielprinzips ausmacht, oder den wenigen mit höchstem Aufwand produzierten Top-Titeln vorbehalten, wenn man von Rätsel-Einlagen a la Myst, wo man auf klingenden Gegenständen eine bestimmte Melodie spielen muß, einmal absieht. Ich denke, im Bereich Audio sind noch viele Möglichkeiten für innovative Konzepte und Spielideen ungenutzt. Statt krampfhaft zu versuchen, die neuesten Anzeige-Techniken ins Spiel zu bringen, sollten sich viele Entwickler-Studios bei dem wenigen Ausnahme-Titeln eine Scheibe abschneiden und neue interessante Hörerlebnisse schaffen. Wenn es nach mir ginge, sollte man jedes Videospiel auch mit geschlossenen Augen durchspielen können. Das würde sicherlich nicht nur die anspruchvolleren Spieler, die vom ganzen Einerlei genug haben, sondern auch die vielen sehbehinderten Menschen, die noch mehr als andere auf Unterhaltung in den eigenen vier Wänden angewiesen sind, freuen.
Es gibt tatsächlich eine kleine Plattform, wo für Sehbehinderte Computerspiele angeboten werden: audiogames.net. Dort findet man rein auditive Umsetzungen von Arcade-Klassikern wie PacMan, aber auch selbst entwickelte Ideen im Bereich von Adventure und Geschicklichkeitsspielen wie z. B. Super Deekout und Modifikationen für existierende Spiele wie AccessibleQuake. Ich empfehle auch den nicht sehbehinderten Leuten, dort einmal vorbei zu surfen und sich das eine oder andere Game in den Downloadmanager einzureihen! Aber Vorsicht, man stellt sich die Sache meist einfacher vor, als sie tatsächlich ist. Die anspruchvolleren Spiele stiften bei einem absolut ungeübten Gehör eine Menge Verwirrung, ich empfehle daher, mit den minimalistischeren Spielen zu beginnen. Die großen Spiele-Entwickler sollten vielleicht darüber nachdenken, ob ein extra Modus, der auf jegliche Grafik verzichtet und einen ausschließlich mit Hilfe des Gehörs durch die Level führt, nicht eventuell neue Käuferschichten ansprechen und die Wiederspielbarkeit signifikant verbessern könnte.
Aber auch im Bereich der Handhelds sind interessante Spiele denkbar, die auf teure kleine Displays verzichten könnten. Schaut man sich die vielen unsäglichen Midlets (Java-Spiele fürs Handy) an, so ist die Idee doch garnicht so abwegig, scheint mir. Ich würde jedenfalls all zu gern einmal in der Bahn so ein kippenschachtelgroßes Gerät aus der Tasche ziehen und mir während ich Buttons schrotte die gaffenden Leute anschauen.
Naja, wenn das hier beschriebene denn bald auch endlich klappt, können wir uns auch gern ainmal über Spracheingabe und ähnliches unterhalten - Obwohl, der DS macht das doch schon ganz gut! Löblich.

Author: nille | Permalink | Categories: games

April 19, 2005 7:31

Berlin am Meer

Schön, wenn es so wär! Ich bin trotzdem hingefahren, nach Berlin an der Spree, mit dem Zug, wie immer. Ja, ich fahre gern mit der Bahn, weil es so schön umweltfreundlich ist und weil man in der Regel eine Menge Platz hat und, wie eine Bahn-eigene Anzeige ausnahmsweise richtig darstellt, entweder einschalten und etwas Produktives tun oder abschalten und ausruhen kann. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde ich auch weitehin mit dem Zug reisen, einfach weil mich Autofahren krank macht. Deswegen nehme ich auch weiterhin die endlosen Schlangen vor den paar offenen Schaltern hin, um den Inhalt meines Portemonnaies bei den total planlosen Service-Whores gegen ein horrend teures kleines Papier-Scheinchen einzutauschen. Während ich dann einen Halbmarathon zum Bahnsteig (Es heißt übrigens offiziell aus Gleis 1 abfahren - Darauf könnt ihr gern wetten ;) durchsprinte und dabei überlege, ob das schon erwähnte Schalter-Personal auch genau das auf mein Pappscheinchen gedruckt hat, nach dem ich verlangte, und ob die DB-Kultur-Redaktion wohl schon die neue BravoHits 99-CD (die Klassik-Platten sind schließlich alle in Hamburg im Einsatz, um dort die Penner zu vertreiben) fürs Audio-Programm ausgewählt hat, macht sich die lückenlose Kamera-Überwachung für die dauerhafte Sicherung meiner Gesundheit bezahlt und bittet mich unfreundlich und bestimmt, das Rauchen einzustellen. Wieder zu Atem gekommen, dazu hatte ich schließlich dank der halben Stunde Verspätung, dessen Existenz mir erst bei Ankunft auf dem Bahnsteig bewßt wurde, genug Zeit, werde ich von den Horden Bahn-Fahr-N00bs (Nein, ihr könnt meine Kopfhörer nicht haben, so etwas verleiht die Bahn nicht einfach, ihr müßt eure eigenen mitbrigen, so wie ich), die sich wie ich die Dreizwanzig für einen reservierten Sitzplatz gespart haben, wie die Pistazie zwischen dem Fleisch in der Wurst, in den schon längst überfüllten Zug gequetscht. Spätestens wenn ich mich nach einer langen Odysse der Sitzplatz-Suche (allerdings habe ich noch immer einen gefunden) auf das weiche Kissen (man muß es sich nur vorstellen) bette und sich endlich die ICE2-Türen schließen (da leisten die mobilen Reparatur-Teams immer ganze Arbeit, sie haben ja auch schon eine Menge Erfahrung dabei) kann ich einfach nicht anders als an EinsZwos Unschuld vom Lande zu denken. Puh!
Berlin. Mich verbindet eine unglaubliche Haß-Liebe mit Berlin. Ich verabscheue die Millionen Tretminen, die jeden Spaziergang zu einem Hindernislauf kreuz und quer über den Bürgersteig werden lassen und überhaupt den ganzen Müll und Dreck. Jeder Mülleimer im Park oder Papiercontainer an der Straße wird von den Bürgern sofort zu einer großen Mülldeponie ausgeweitet. Immerhin gibt es in Berlin seperate "Kippen-Öffnungen" an den Mülleimern, und, wenn mal keiner in der Nähe ist und man seine Zigarette auf dem Boden ausdrückt, wird man nicht wie in der Münchner Innenstadt öffentlich ausgepeitscht. Es hat eben alles ein Für und Wider in Berlin, z. B. die größte Berliner Seuche: Die Straßencafés. Wenn man einmal nicht einem Hundehaufen ausweichen muß, dann den Stühlen samt Gästen eines Cafés. Gut, man bekommt wirklich überall einen (nicht gerade guten und nicht gerade billigen) Kaffee, aber bis es einmal so weit ist und die gaffende Meute Menschen um einen herum für einen kurzen Augenblick den Mund voll haben, dauert es ewig.
Ja, die Leute. Alle im Kiez, welcher per Definition meist gar keiner ist, sind jung, dynamisch, modebewußt und überhaupt total trendy und szenig und immer gezwungen locker. Und andauernd wird man von einem dieser Ä***** angequatscht - Da lobe ich mir doch das wunderschöne Hamburg, wo man sich das Lachen und Grinsen noch für die Momente bewahrt, in denen es auch wirklich angebracht ist und nur etwas sagt, wenn man auch etwas zu sagen hat. Wie gut, daß es neben den Eingeborenen auch viele Zugezogene, wie das sehr liebevolle junge Eltern-Paar aus dem Norden, welches ich besucht habe, gibt.
Aber ich gebe zu, mich reizt auch einiges an Berlin, wie zum Beispiel die große kulturelle Vielfalt, die Tatsache, daß man in Berlin fast alles findet, so man es denn auch findet. Daß tatsächlich jeden Tag Neues entsteht und man jeden Tag Neues entdeckt könnte mich an Berlin binden und gibt mir immer ein kleines Gefühl der Freiheit, wenn ich dort bin. Ich bin nicht nur nach Berlin gefahren um nach Belegen für meine Vorurteile zu suchen oder zu faulenzen und mich von Freunden aushalten zu lassen. Im Februar empfahl Telepolis, zwei Ausstellungen in Berlin zu besuchen. Zum Teil bin ich diesem Ruf gefolgt.
Im Martin-Gropius-Bau präsentierte bis gestern das Deutsche Filmmuseum eine Ausstellung mit Primärmaterialien aus dem Nachlaß von Stanley Kubrick. Zu all seinen großen Kinofilmen und zum Teil seinen unvollendeten Projekten wurden Original-Requisiten, Kostüme, Fotos, Zeichnungen/Skizzen, Drehbücher und -pläne sowie einige Modelle der Kulissen ausgestellt. Außerdem konnte man diverse Kameras, Effektgeräte und andere Arbeitsmaterialien ansehen.
Für jeden Kino-Freund sollte die Ausstellung wie eine riesige Schatzkiste gewesen sein, in der man viele interessante Dinge, die man aus Kubricks Filmen kannte oder aber vorher noch nicht wahrgenommen hatte, entdecken konnte. Ich hatte das Gefühl, in einem Schuhkarton voller Fotos aus der Kindheit zu wühlen und mich dabei an viele schöne Erlebnisse zu erinnern. Aber da Ganze hatte leider auch einen bitteren Beigeschmack für mich, als ob ich mich nicht mehr erinnern konnte, zu welchem Zeitpunkt das entsprechende Foto gemacht wurde. Alle Objekte richtig einzuordnen und einen Gesamtüberblick über den jeweiligen Film und das Umfeld der Entstehung seiner individuelle Bildsprache zu bekommen dürfte sicher nur Besuchern geglückt sein, die sich schon vorher intensiv mit Kubrick beschäftigt hatten.
Für mein Empfinden war die Ausstellung viel zu dokumentarisch aufgebaut und mir fehlten ausführliche Begleittexte und Bildunterschriften. Auch der Umfang der Materialien erscheint mir außer bei 2001 als zu gering, als daß man das Konzept hinter Design und Ästhetik des jeweiligen Films ansatzweise begreifen könnte. Vielleicht wäre der Besuch der Ausstellung "Bewegte Räume. Production Design und Film" aufschlußreicher gewesen. Aber trotz allem war es hoch interessant und bis zum 19. 6. habe ich ja noch noch Gelegenheit dazu.
Ein Stockwerk tiefer war übrigens eine Ausstellung zum Kriegs-Photograph Robert Capa zu sehen, über den letztens auch eine interessante Dokumentation im Fernsehen lief. Und ganz in der Nähe ist ja auch noch das Jüdische Museum.
Berlin, ich komme wieder, mit der Bahn, wenn es sein muß. Dieser Text spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors wider und ist sowieso nur erfunden. Also kein Grund, zu meckern.

Author: nille | Permalink | Categories: thoughts

April 12, 2005 7:25

nippon connection

Och menno, warum verpasse ich immer das beste?! Freitag Nacht zum Beispiel lief auf Vox die nippon connection movie night mit einem Haufen grandioser japanischer Kurz- und Animationsfilme, wovon ich natürlich nur noch die letzte Hälfte gesehen habe. Dafür habe ich mich bei dem, was ich gesehen habe, wirklich köstlich amüsiert.
Eine Sache ist mir besonders aufgefallen: Selbst in der tragischsten Geschichte gibt es immer wieder absurd komische Momente. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob das überhaupt gewollt ist, denn meistens rührt diese Komik von der (für mich als Europäer absolut) übertriebenen Ernsthaftigkeit der Asiaten, in Situationen, in denen man sich hierzulande wahrscheinlich auf die Schenkel klopfen und anfangen zu lachen würde, weil das ja garnicht wahr sein könne.
Wahrscheinlich ist das, was wir in japanischen Filmen zu sehen bekommen, oftmals hochgradig übertrieben, aber nur in der japanischen Kultur und Gesellschaft überhaupt so möglich. Sicherlich ruft diese große Entfernung zu unserer Kultur diese große Faszination bei all den Japanophilen hervor und ich gebe zu, dem bin ich nicht ganz abgeneigt, wenn auch ein absoluter Anfänger auf dem Gebiet. Deswegen, ich schweife schon wieder ein wenig ab, halte ich jetzt lieber meinen Mund. Denn was ich der geneigten Leserschaft eigentlich noch mitteilen will, ist folgendes: Wer öfter einmal seinen Blick gen Fern-Ost wirft (was bei dem ganzen Konservatismus hier und heute sicher nichts Schlechtes ist), der sollte sich vom 13. bis 17. 4. nach Frankfurt zum nippon connection film festival begeben und dort noch mehr "Stoff" in Form von Kurz-, Animations-, Doku- und Spielfilmen sowie diverser anderer kultureller Angebote konsumieren.
Wem das zu viel, zu teuer, zu weit weg ist oder sich lieber in der virtuellen Welt bewegt, sollte diese linkliste der Website ansurfen. Dort sind eine Menge interessante kuriose und informative Links zu japanischer Sprache, Reisen, Kultur, Film und Lebensart versammelt. Außerdem gibt es auch wieder eine Compilation, welche auch auf den Namen nippon connection hört, die sicherlich die richtige Stimmung in der einen oder anderen Lebenslage sorgen kann. Und womöglich wird ja demnächst auch bei Vox noch einmal wiederholt. Also, viel Spaß beim stöbern!

Author: nille | Permalink

April 12, 2005 7:18

spore

Ich habe immer gehofft, es würde eines Tages einen zweiten Teil, bzw. eine Neuauflage von SimLife (1 - Sehr nette Kritik von Buddhabot) (2 - HOTU-Review) geben. Das ist natürlich eine reine Utopie, denn, ähnlich wie zum Beispiel auch bei StarCraft, kann man nicht einfach eine Fortsetzung herstellen. Wahrscheinlich würde auch noch die kleinste Änderung am Gameplay den Flair des Originals zerstören, wie Ende der 90er Jahre bei vielen Spielen passierte, die undurchdacht dreidimensional fortgesetzt wurden und in schöner Regelmäßigkeit floppten. Von daher wäre ein SimLife2 oder SC2 nie eine richtige Fortsetzung oder Neuauflage, sondern ein komplett neues Spiel, welches mit ganz anderen, der heutigen Technik und vor allem dem jeweiligen Zeitgeist angepaßten, Mitteln versuchen müßte, die Atmosphäre des Originals wieder aufzubauen.
Wie schon erwähnt ändern sich mit der Zeit die Ansprüche der Spieler und die Art und Weise wie Spiele "funktionieren". Heutzutage, man hört und liest es an jeder Ecke, ähneln Videospiele immer mehr Filmen. Das hat seine Vor- und Nachteile: Einerseits dürfen wir uns über immer opulentere Grafik-Feuerwerke freuen (inklusive der Notwendigkeit zum Kauf neuer Hardware und einen Mainboard-Slot für meterhohe Lüfter zu opfern ;), was natürlich vielfältige neue Darstellungsmöglichkeiten bietet, die sicherlich das "Erzählerische" in Videospielen erheblich fördern; andererseits tauchen bei dieser neuen Art der Spiele in jüngster Zeit ähnliche Probleme wie in der Film-Branche auf. Die Geschichte, die ein Spiel transportieren will, muß dem Geschmack eines großen Publikums genügen, weshalb die Produzenten und vielleicht noch mehr die Publisher all zu gern auf Bewährtes setzen, sodaß die derzeitige Spiele-Landschaft gelinde gesagt ein wenig eintönig daher kommt. Zu Arcade-Zeiten brauchte es eine Menge Vorstellungskraft um aus ein paar wenigen großen Pixeln ein UFO, eine Blume oder irgendetwas anderes werden zu lassen. Ich bin nicht gerade ein ausgemachter Nostalgie-Fan oder möchte, daß alles so wird wie damals, aber ich finde, die Entwickler von heute sollten sich einige der Freiheiten von früher in puncto Kreativität und Experimentierfreude bewahren. Mir ist klar, daß man sich aufgrund der limitierten technischen Mittel originelle Konzepte einfallen lassen mußte, aber eigentlich sollten die unglaublichen Möglichkeiten, die es heute gibt, besser genutzt werden.
Wie gesagt, die Entwicklung läßt sich nicht aufhalten - Die Konzepte von damals und damit auch die Spiele würde man so heute nicht mehr verkaufen können. Die Spiele heute sind viel umfangreicher und sollen den Spielern immer mehr "bieten". Der so genannte "Replay-Value" ist Bestandteil fast jeder Kritik, daß er aber so explizit erwähnt wird, zeigt, so sehe ich es, daß Wiederspielbarkeit heute eher die Ausnahme als die Regel ist und es zeigt die Linearität der Spiele heute, ebenfalls eine Parallele zum Film - Da mß es schon etwas Besonderes sein, damit man es sich noch einmal ansieht bzw. spielt. Deswegen muß ein Game heute schon beim ersten Mal durchspielen genug bieten - jedenfalls bis zum Release des nächsten must-have.
Um langsam aber sicher die Kurve zur eigentlichen Nachricht zu kratzen: Ein gewisser Will Wright, seines Zeichens Entwickler von den Sims und SimCity und eben auch beteiligt an SimLife, hat das Problem des Content auf der diesjährigen Game Developers Conference dargestellt. Damit ein Spiel mit möglichst vielen Waffen, Charakteren, Gegenständen und riesigen Levels aufwarten kann, sind wahre Horden von Animatoren u. ä. nötig und das Budget der Titel wächst in Unermeßliche. Zudem hat Wright eine fast schon revolutionäre Lösung für dieses Problem vorgestellt: Man gibt den Usern die Möglichkeit, ihren eigenen Content zu erschaffen. Wer SimLife kennt, dem dürfte das ein wenig bekannt vorkommen, denn dort entwickelte man durch Mutation seine eigenen Tier- und Pflanzenarten, mit denen man das Spiel durchlebte und versuchte, ein stabiles Ökosystem aufzubauen, und man konnte seine eigenen Kreaturen speichern und anderen zur Verfügung stellen.
Spore ist der Titel des Prototypen eines Spieles, welches dieses Konzept wieder aufgreift - und genau dies hat Wright ebenfalls auf der GDC vorgestellt. In Spore designt der Spieler mit Hilfe einer Art Baukasten fast alles selbst: Die eigene Spielfigur, man beginnt mit einem primitiven Einzeller, der mehrere Evolutionsstufen durchlebt bis man schließlich ganze, hochentwickelte, Zivilisationen steuert, Fahrzeuge, sowie die Gebäude, die verschiedene Funktionen erfüllen. Man verbessert die Fähigkeiten seiner Spezies, indem man ihnen bestimmte Körperformen gibt, wobei kaum Grenzen gesetzt sind, das Spiel findet z. B. selbstständig die richtige Gangart und animiert diese, je nachdem wie viele Extremitäten man dem Geschöpf zuweist. Man stellt ihnen Fahrzeuge, Gebäude und Werkzeuge zur Verfügung, die sie zu ihren Vorteil, je nach dem wie viel Intelligenz man ihnen gewährt, nutzbar machen. Auch wird es möglich und elementarer Bestandteil sein, die Kreationen anderer Spieler aufzugreifen und/oder zu bekämpfen.
Es ist spät und ich will auch nicht alles hier wiedergeben, was in dem guten und detaillierten GameSpy-Artikel über Will Wrights GDC-Rede und Spore steht, den zu lesen ich allen LeserInnen sehr ans Herz lege. Mich läßt er auf jeden Fall wieder hoffen, daß in nächster Zeit doch ein würdiger Nachfolger von SimLife vorhanden sein wird. Ich freue mich mindestens genau so sehr darauf wie auf The Movies und hoffe, daß dieser Trend zu innovativeren Spiel-Ideen, die die Kreativität der Spieler wieder mehr in den Vordergrund stellen und ihnen die Möglichkeit bieten, ihre eigenen Geschichten zu schreiben, ein wenig Aufwind erhält.

Author: nille | Permalink | Categories: games

April 08, 2005 7:55

Kruemel auf Diaet

ich glaube, jetzt schlägt es Dreizehn.. Mit der westlichen Kultur geht es rasant bergab. Die Netzeitung berichtet, daß das Krümelmonster jetzt auf Diät gesetzt wurde und Grünzeug fressen muß. Traurig, in was für einer Welt wir leben..

Author: nille | Permalink | Categories: tv

April 08, 2005 7:18

Toothing zahnlos

Telepolis, wired news und hoffentlich bald auch viele andere Websites berichten, daß der große "Trend" des letzten Jahres, das Toothing, worüber u. a. wired, SPON, Tomorrow, neon und RTL Beiträge brachten, nur ein lahmer Scherz gewesen sei.
Es mag ja technisch möglich sein, aber in etwa so praktikabel "wie ein Ziegelstein, den man mit einer vergleichbaren Flirt-Aufforderung auf die Tanzfläche eines überfüllten Nachtklubs werfe." (Heise). Das heißt also, daß lediglich die Testimonials, die in dem Forum der "Erfinder" auftauchten, Unsinn waren. Allerdings sollten sich die Medien meiner Meinung nach, genau so wie die User, die wahrscheinlich in öffentlichen Verkehrsmitteln ewig damit zugebracht haben, darauf zu warten, daß endlich einmal ein anderes Bluetooth-Device auf ihrem Handy-Display auftauchte, in Zukunft Gedanken darüber machen, ob sie wirklich auf jeden noch so idiotischen Trend, der aus dem Netz stammt, so wie auch die unsäglichen Flashmobs, aufspringen und den Schrott auch noch weiter hypen wollen.
Irgendwie passen Praktiken wie diese, also irgendwelche Aussagen eines Jon aus London per cut&paste ungeprüft aus irgendwelchen Blogs zu übernehmen, wie zurecht auch immer wieder in anderen, renommierteren Blogs, z.B. rebellmarkt, berichtet wird, nicht so ganz zu der Meinung, die einige "richtige" Journalisten vertreten, in Weblogs stehe nichts als Schrott. Bei diesen Leuten scheint immer noch nicht angekommen zu sein, daß es mehr auf den Content als auf das Medium ankommt, weshalb sie viel mehr zuerst einmal vor der eigenen Tür kehren sollten. Ein interessantes Interview dazu steht auch in der Blogs-Ausgabe der Gegenwart.
All dem verlorenen Seelen, die drauf reingefallen sind sei hier noch gesagt, daß Bluetooth ja auch ‘knackbar‘ ist und man somit wenigstens noch am Liebesleben anderer teilhaben kann: "[...]ich danke dir das du mir die chance gibst wollte dich auch küssen habe mich aber nicht getraut gute nacht"

Author: nille | Permalink | Categories: kommentar

April 01, 2005 6:37

April, April

Ja, ja, es ist wieder soweit: 1. April. Nirgendwo anders als im www lassen sich einfacher Aprilschreze in Form falscher Pressemitteilungen und ähnichem verbreiten - schließlich gibt es sicherlich immer genug Leute, die es brav glauben und verbreiten.
Wie auch im letzten Jahr ist dieses Mal wieder Google ganz vorn mit ihrem GoogleGulp und GMails ∞+1 GB Speicherplatz (was wohl morgen auf 2 GB rauslaufen wird) dabei!
Viele gute Scherze sind auch auf slashdot zu finden, unter anderem Berichte darüber, daß Paris Hilton nun für OpenSource Software wirbt und Wikimedia an die Enyclopædia Britannica verkauft worden wäre.
Was sonst noch Lustiges geschrieben wurde, solltet ihr am besten selbst herausfinden oder morgen heise news lesen. Bis dahin viel Spaß beim Kiechern ;)

Author: nille | Permalink