2006/06 Archives
June 16, 2006 4:04 PM
Fundstück
1985 war ich vier Jahre alt, in Tschernobyl produzierte man noch Strom, Helmut Kohl war Bundeskanzler der BRD, der US-Präsident hieß Reagan, man zahlte mit D-Mark, es gab DDR und UdSSR, aber noch keine EU, Modern Talking, A-HA und Live-Aid waren ziemlich en vogue, die RAF verübt noch Anschläge, Joschka Fischer wird hessischer Umweltminister und anscheinend ißt man in meiner Familie noch ganz gern Buchweizengrütze


June 13, 2006 10:44 PM
Auf Leben und Tod
In Trauma Center: Under the Knife, eins der neueren innovativen Spiele für den Nintendo DS - nicht, daß ich etwas gegen den DS und seine in der Tat meist gelungenen und innovativen Spiele hätte - schlüpft man in die Rolle eines jungen Chirurgen und operiert mit Hilfe von Stylus und Touchpad Patienten sogar am offenen virtuellen Herz. So weit, so gut!
Je mehr Anzeigen und Reviews ich aber über das Spiel las, desto bekannter kam es mir vor..
Vor einiger Zeit fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Alles geklaut! Und zwar vom DOS-Spiel Life & Death aus den späten Achtiger Jahren.
Gerade die Bemerkung aus der GEE, es eigne sich für Freunde von Dr. Bibber, dem Elektro-Brettspiel, bei dem man mit einer Pinzette verschiede "Organe" entnehmen mußte, ohne die "Wundränder" zu berühren, gab mir den entscheidenden Hinweis. Denn bei Life & Death ist es genau sounmöglich schwierig, mit der Mouse einen sauberen geraden Schnitt durchzuführen wie bei Dr. Bibber eine Runde zu überstehen, ohne den elektrischen Buzzer-Sound zu hören.
Es gibt natürlich auch einige gravierende Unterschiede zwischen Trauma Center und L&D, besonders was die Präsentation betrifft. Während Trauma Center, soweit ich es anhand von Screenshots usf. ausmachen konnte, eher im kindlich fröhlichen Manga-Stil gehalten ist und wohl auf die Zielgruppe, deren Vokabular das Wort "Ärzte-Streik" noch nicht beinhaltet (mein Favourite für das Unwort des Jahres), ausgerichtet ist, kommt L&D ziemlich nüchtern und dystopisch daher. Zwar besitzen die Krankenschwestern mindestens so viel Oberweite wie in Trauma Center, sie geben sich aber dennoch recht hölzern und zugeknöpft (sic!).
In L&D hat man es hauptsächlich mit PatientInnen zu tun, die man so wohl auch im rauhen Krankenhausalltag im realen Leben antreffen kann - Ergraute Herren jenseits des Pensions-Alters, die es "mit der Prostata haben" und unförmige Hausfrauen um die 40, die ihren Frust in Wampe umgesetzt haben. Man spielt auch nicht den Halbgott in weiß, dem sich alle Welt zu Dank verpflichtet fühlt, weil man eigenhändig diesen oder jenen Super-Bazillus bekämpft, sondern den mickrigen Assistenz-Arzt, dem man die ganze unliebsame Arbeit, die bei einem solchen Unterfangen so anfällt, aufladen kann. Die Fälle, mit denen man es zu tun bekommt, sind wenig glamourös: Nierensteine, Unteleibsentzündungen, Blinddarm!
Wie dieser Tage überall in den Medien zu sehen und zu lesen, hetzt man von Zimmer zu Zimmer, von Untersuchung zu Untersuchung, soll möglichst nie einen Fehler begehen und wird vom Oberarzt zu Schicht-Ende auch noch vor all seinen Kollegen zur Sau gemacht, weil man es versäumt hat, nebenbei auch noch die Verwaltungsarbeit zu erledigen oder, viel schlimmer, sich nicht auf der Stelle bei einem der VIP-Ärzte gemeldet hat, die einen kurz vor einer wichtigen OP immer wieder gern anpiepen.
"Kostenplan" ist das Stichwort! Wer sich zu viel Zeit bei der Untersuchung nimmt und nicht haargenau an die Vorgaben hält, wird vom Chef extra noch einmal zusammen gestaucht, weil Zeit und Personal knapp sind - und sich die schrecklich leidenden Patienten beschwert haben, man hätte ihnen absichtlich so lang den geschwollenen Bauch abgetastet. Niemals jedoch sollte man es wagen, die Kardinal-Sünde zu begehen und das (einigen LeserInnen vielleicht aus Monty Pythons "Der Sinn des Lebens" bekannte) ungeheuer teure Gerät mit dem Biiieeepp einzusetzen.
Also, Life&Death ist eher etwas für Desillusionierte, denn auch das eigentliche Ziel des Spiels, nämlich erfolgreich eine Operation hinter sich zu bringen, ist ohne das Wissen und die motorischen Fertigkeiten eines echten Chirurgen kaum zu bewältigen. Jeder Schritt, vom Desinfizieren der Hände bis zum Zunähen muß sitzen, hat man es so weit geschafft, daß man mit dem Skalpell zum ersten Schnitt ansetzen kann, ist das schon ein Grund zur Freude.
Das Spiel eignet sich also nur für seeehr Geduldige und jene, die gern Dr. Frankenstein nacheifern, denn das schreckliche Gequäke, das aus dem Hardware-Lautsprecher dringt, vergißt man einmal die Narkose vor der OP, läßt Zartbesaiteten garantiert Mark und Bein erschüttern ;)
Zum Abschluß noch die spezielle bebilderte That’s Write-Anleitung zum Spiel: "In fünf einfachen Schritten zum Trauerfall"!

Je mehr Anzeigen und Reviews ich aber über das Spiel las, desto bekannter kam es mir vor..
Vor einiger Zeit fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Alles geklaut! Und zwar vom DOS-Spiel Life & Death aus den späten Achtiger Jahren.
Gerade die Bemerkung aus der GEE, es eigne sich für Freunde von Dr. Bibber, dem Elektro-Brettspiel, bei dem man mit einer Pinzette verschiede "Organe" entnehmen mußte, ohne die "Wundränder" zu berühren, gab mir den entscheidenden Hinweis. Denn bei Life & Death ist es genau so
Es gibt natürlich auch einige gravierende Unterschiede zwischen Trauma Center und L&D, besonders was die Präsentation betrifft. Während Trauma Center, soweit ich es anhand von Screenshots usf. ausmachen konnte, eher im kindlich fröhlichen Manga-Stil gehalten ist und wohl auf die Zielgruppe, deren Vokabular das Wort "Ärzte-Streik" noch nicht beinhaltet (mein Favourite für das Unwort des Jahres), ausgerichtet ist, kommt L&D ziemlich nüchtern und dystopisch daher. Zwar besitzen die Krankenschwestern mindestens so viel Oberweite wie in Trauma Center, sie geben sich aber dennoch recht hölzern und zugeknöpft (sic!).
In L&D hat man es hauptsächlich mit PatientInnen zu tun, die man so wohl auch im rauhen Krankenhausalltag im realen Leben antreffen kann - Ergraute Herren jenseits des Pensions-Alters, die es "mit der Prostata haben" und unförmige Hausfrauen um die 40, die ihren Frust in Wampe umgesetzt haben. Man spielt auch nicht den Halbgott in weiß, dem sich alle Welt zu Dank verpflichtet fühlt, weil man eigenhändig diesen oder jenen Super-Bazillus bekämpft, sondern den mickrigen Assistenz-Arzt, dem man die ganze unliebsame Arbeit, die bei einem solchen Unterfangen so anfällt, aufladen kann. Die Fälle, mit denen man es zu tun bekommt, sind wenig glamourös: Nierensteine, Unteleibsentzündungen, Blinddarm!
Wie dieser Tage überall in den Medien zu sehen und zu lesen, hetzt man von Zimmer zu Zimmer, von Untersuchung zu Untersuchung, soll möglichst nie einen Fehler begehen und wird vom Oberarzt zu Schicht-Ende auch noch vor all seinen Kollegen zur Sau gemacht, weil man es versäumt hat, nebenbei auch noch die Verwaltungsarbeit zu erledigen oder, viel schlimmer, sich nicht auf der Stelle bei einem der VIP-Ärzte gemeldet hat, die einen kurz vor einer wichtigen OP immer wieder gern anpiepen.
"Kostenplan" ist das Stichwort! Wer sich zu viel Zeit bei der Untersuchung nimmt und nicht haargenau an die Vorgaben hält, wird vom Chef extra noch einmal zusammen gestaucht, weil Zeit und Personal knapp sind - und sich die schrecklich leidenden Patienten beschwert haben, man hätte ihnen absichtlich so lang den geschwollenen Bauch abgetastet. Niemals jedoch sollte man es wagen, die Kardinal-Sünde zu begehen und das (einigen LeserInnen vielleicht aus Monty Pythons "Der Sinn des Lebens" bekannte) ungeheuer teure Gerät mit dem Biiieeepp einzusetzen.
Also, Life&Death ist eher etwas für Desillusionierte, denn auch das eigentliche Ziel des Spiels, nämlich erfolgreich eine Operation hinter sich zu bringen, ist ohne das Wissen und die motorischen Fertigkeiten eines echten Chirurgen kaum zu bewältigen. Jeder Schritt, vom Desinfizieren der Hände bis zum Zunähen muß sitzen, hat man es so weit geschafft, daß man mit dem Skalpell zum ersten Schnitt ansetzen kann, ist das schon ein Grund zur Freude.
Das Spiel eignet sich also nur für seeehr Geduldige und jene, die gern Dr. Frankenstein nacheifern, denn das schreckliche Gequäke, das aus dem Hardware-Lautsprecher dringt, vergißt man einmal die Narkose vor der OP, läßt Zartbesaiteten garantiert Mark und Bein erschüttern ;)
Zum Abschluß noch die spezielle bebilderte That’s Write-Anleitung zum Spiel: "In fünf einfachen Schritten zum Trauerfall"!

June 13, 2006 10:32 PM
Freizeit - Was nun?
Haaallo, Mooin, an dieser Stelle meldet sich ausnahmsweise einmal Nilles Computer zu Wort! Es ist ja soo heiß, mein geschätzter Besitzer und Poweruser Nille liegt schon röchelnd am Boden und ist im Moment außer Stande, hier zu schreiben..
Bei mir schmoren auch schon fast die Drähte durch und der Lüfter muß sich bei dem hohen Tempo, mit dem er sich dreht, beinahe kotzen. Aber so als Maschine ist man ja recht genügsam und nimmt seinem Menschen bei dieser Wetterlage gern auch mal ein wenig Arbeit ab.
Damit der Mensch auch draußen seinen Spaß hat und sich nicht dauernd beim Radfahren einen Sonnenbrand zuzieht oder gar auf die Idee kommt, mich zu nötigen, rechenintensive 3D-Applikationen auszuführen, habe ich ihm (und natürlich auch allen anderen, die gerade mitlesen) auch noch ein interessantes und informatives Freizeitprogramm zusammengestellt - Und das sieht so aus:
Letzte Woche schickte ich ihn in die schöne und Hanse-Stadt Lübeck ins Museum für Natur und Umwelt, dort sah er sich die aüßerst innovativ und abwechslungsreich präsentierte Ausstellung über Neobiota, also aus fremden Ökosystemen eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten, an und war anscheinend hellauf begeistert. Nicht nur lehrreich und eine Reminiszenz an die Zeit im Bio-LK soll es gewesen sein, sogar ganz witzig - als der zerstreute Professor dort anhand von Gummibärchen erklärte, auf welche Art und Weise sich diese "Aliens im Vorgarten" in ihrer neuen Heimat ausbreiten (u. a. durch engagierte Naturfreunde, die dem einsamen entflogenen Stuttgarter Sittich einen Spielkameraden kauften und frei ließen, der allerdings in Wahrheit eine SpielkameradIN war ;). Naja, der Umfang war ein wenig mager, habe ich mir berichten lassen, aber dennoch einen Besuch wert!
Da mein Benutzer nun schon ein wenig Museums-Luft geschnuppert hat, kann ich ihn auch gleich nebenan ins Völkerkunde-Museum schicken, um sich die Sonderausstellung "Japan" anzusehen.


Gottseidank steht mir bei der Beschäftigungstherapie mein bester Kumpel, der iPod zur Seite.. Der sorgt nämlich dafür, daß unser Mensch zu den 11 gigantisch coolen Indie-Rock-Tracks auf Gossips "Standing In The Way Of Control" mal wieder so richtig die Hüften schwingen und die Perücke abheben lassen kann.
Wenn mein Mensch dann immer noch nicht beschäftigt genug ist und (siehe unten) Unmögliches von mir verlangt, dann streike ich, dann muß er eben meinen Freund, den kuehlschrank besuchen gehen.

Bis bald, euer Twinhead P14G
Bei mir schmoren auch schon fast die Drähte durch und der Lüfter muß sich bei dem hohen Tempo, mit dem er sich dreht, beinahe kotzen. Aber so als Maschine ist man ja recht genügsam und nimmt seinem Menschen bei dieser Wetterlage gern auch mal ein wenig Arbeit ab.
Damit der Mensch auch draußen seinen Spaß hat und sich nicht dauernd beim Radfahren einen Sonnenbrand zuzieht oder gar auf die Idee kommt, mich zu nötigen, rechenintensive 3D-Applikationen auszuführen, habe ich ihm (und natürlich auch allen anderen, die gerade mitlesen) auch noch ein interessantes und informatives Freizeitprogramm zusammengestellt - Und das sieht so aus:
Letzte Woche schickte ich ihn in die schöne und Hanse-Stadt Lübeck ins Museum für Natur und Umwelt, dort sah er sich die aüßerst innovativ und abwechslungsreich präsentierte Ausstellung über Neobiota, also aus fremden Ökosystemen eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten, an und war anscheinend hellauf begeistert. Nicht nur lehrreich und eine Reminiszenz an die Zeit im Bio-LK soll es gewesen sein, sogar ganz witzig - als der zerstreute Professor dort anhand von Gummibärchen erklärte, auf welche Art und Weise sich diese "Aliens im Vorgarten" in ihrer neuen Heimat ausbreiten (u. a. durch engagierte Naturfreunde, die dem einsamen entflogenen Stuttgarter Sittich einen Spielkameraden kauften und frei ließen, der allerdings in Wahrheit eine SpielkameradIN war ;). Naja, der Umfang war ein wenig mager, habe ich mir berichten lassen, aber dennoch einen Besuch wert!
Da mein Benutzer nun schon ein wenig Museums-Luft geschnuppert hat, kann ich ihn auch gleich nebenan ins Völkerkunde-Museum schicken, um sich die Sonderausstellung "Japan" anzusehen.


Gottseidank steht mir bei der Beschäftigungstherapie mein bester Kumpel, der iPod zur Seite.. Der sorgt nämlich dafür, daß unser Mensch zu den 11 gigantisch coolen Indie-Rock-Tracks auf Gossips "Standing In The Way Of Control" mal wieder so richtig die Hüften schwingen und die Perücke abheben lassen kann.
Wenn mein Mensch dann immer noch nicht beschäftigt genug ist und (siehe unten) Unmögliches von mir verlangt, dann streike ich, dann muß er eben meinen Freund, den kuehlschrank besuchen gehen.

Bis bald, euer Twinhead P14G
June 07, 2006 10:59 PM
Ohne mich!
Es gibt Ereignisse, die werfen einen Schatten voraus.. Und es scheint Ereignisse zu geben, die vernebeln schon Monate vorher die Köpfe nicht nur aller mittelbar und unmittelbar Beteiligten, sondern anscheinend auch jedes anderen dahergelaufenen Hinz und Kunz, Schreiberlings und Werbers.
Es scheint kein Dorf zu geben, durch das man diese Sau nicht treiben könnte. Da hilft kein Betteln und kein Flehen: Was nicht bei Zwei auf den Bäumen ist, wird gnadenlos von der "zweitschönsten Nebensache der Welt" assimiliert - Was nicht paßt, wird passend gemacht! Das Runde muß schließlich in das Eckige!
Und auch die Kulturschaffenden sind sich nicht zu schade, sich von globalausbeutenden agierenden Erfrischungsgeträkeherstellern und Burgerbrätern vor den Marketing-Karren spannen zu lassen, und geben dem Schweinsleder gern den richtigen "Anstoß"! Das Schmuddelkind von einst, das sein Dasein traditionell Kaspar-Hauser-like in verrauchten Stammtisch-Runden in Eiche rustikal fristete, wird nun plötzlich auch von den "Eliten" als die Basis unserer christlich-abendländischen Kultur entdeckt und entsprechend herausgeputzt, aber doch nicht gänzlich, denn neben "Die Welt zu Gast bei Freunden™" steht immer noch ein "Holland stoppen!"..
So viel Lärm um Nichts gab es zuletzt höchstens noch bei dem Gewimmel um die Folgen des Y2k-Bugs, deswegen:

(Generously zur Verfügung gestellt von Alexander von Wortfeld - Hörtip: "Beginner - Scheinwerfer")
Es scheint kein Dorf zu geben, durch das man diese Sau nicht treiben könnte. Da hilft kein Betteln und kein Flehen: Was nicht bei Zwei auf den Bäumen ist, wird gnadenlos von der "zweitschönsten Nebensache der Welt" assimiliert - Was nicht paßt, wird passend gemacht! Das Runde muß schließlich in das Eckige!
Und auch die Kulturschaffenden sind sich nicht zu schade, sich von global
So viel Lärm um Nichts gab es zuletzt höchstens noch bei dem Gewimmel um die Folgen des Y2k-Bugs, deswegen:

(Generously zur Verfügung gestellt von Alexander von Wortfeld - Hörtip: "Beginner - Scheinwerfer")