2007/04 Archives

April 22, 2007 5:24 AM

Loner

Achtung! Schon wieder Spoiler..

Screenshot - S.T.A.L.K.E.R.

"Danach war klar: Die Zone mußte unberührbar gemacht werden. Denn wer kann wissen, was der Mensch für Wünsche hat?"

Dank eines Tips der Kollegen hatte ich im letzten Herbst das Glück, auf arte den schaurig schönen Film "Stalker", aus dem Jahre 1979, Regie: Andrei Tarkovsky, sehen zu können, der eben so wie das Videospiel auf dem Roman "Picknick am Wegesrand", verfaßt von Boris und Arkadi Strugatsky, beruht.

Im Film führt der Stalker einen Schriftsteller und einen Wissenschaftler in die Zone, die alles andere als einig darüber sind, ob die Menschheit ihr Heil in der Kunst oder in der Wissenschaft finden könnte, ob das ewige Paradies auf Erden möglich oder überhaupt erstrebenswert sei.

Will man seine geheimsten Wünsche wirklich erfahren, geschweige denn verwirklicht sehen? Birgt es nicht viel mehr eine unabwägbare Gefahr, Menschen Zugang zu einem Platz zu verschaffen, an dem sich all seine Phantasien erfüllen? Täte man der Welt vielleicht einen größeren Gefallen, würde man diesen Ort zerstören?

Ich finde den Einfall, solche Fragen in einem eigentlich stumpfen Action-Game aufzuwerfen, den Spieler auf den Spuren des Film-Stalkers wandeln und durch seine Spielweise den Ausgang bestimmen zu lassen, einfach großartig.

Das Geschehen an den Ort zu verpflanzen, an dem die Erungenschaften der modernen Zivilisation sich zu einer der größten Katastrophen verkehrt haben, verschärft die Kontroverse noch ein wenig mehr und läßt beim Spielen die Emotionen noch ein wenig mehr Wellen schlagen.

Auch wenn ich es gern sehen würde, ein Spiel, in dem man hauptsächlich damit beschäftigt ist, Schraubenmuttern zu werfen, um auf diese Weise einen Pfad zwischen unsichtbaren Fallen zu bahnen, verkauft sich wohl nicht gerade wie geschniten Brot. Ohne Ballerei scheint es nicht zu gehen, obwohl sich die Film-Vorlage ganz eindeutig davon distanziert.

Die Schraubenmuttern haben leider nur als Insider-Gag Einzug ins Spiel gefunden:

Ganz am Anfang. Audio-File leider futsch..

Und ganz am Schluß.

Screenshot - S.T.A.L.K.E.R.

Scavenger
Trespasser
Adventurer


Author: nille | Permalink | Categories: games

April 21, 2007 2:54 AM

We(r)beraufstand

Eine anonyme Anemone meldet sich zu Wort und klärt jetzt auf, daß das mit den "Klowänden" eigentlich ganz anders zu verstehen war.
Komisch, daß solch ein verbaler Griff ins Klo gerade dem Chef einer Kommunikationsagentur passiert. Aber glücklicherweise ist bei Herrn von Matt nun womöglich bald Schluß mit den Ressentiments gegenüber dem Teil des Web, der auch ab und zu gemeinsam mit den Worten "Kreativität" und "Kommunikation" im gleichen Satz genannt wird, dagegen seltener mit dem Begriff "Kampagne".

Aber, Herr von Matt, lassen Sie mich Ihnen ein paar Ratschläge geben, damit die Sache mit dem gemeinsamen Kuscheln auch einmal Früchte trägt: Suchen Sie sich ein anderes Vehikel als ein Trojanisches Pferd, um unsere Herzen zu erobern. Denken Sie darüber nach, wie Sie es anstellen könnten, in Athen anstatt in Troja in die Herzen der Leute geschlossen zu werden, dann müssen Sie sich auch nicht weiter hinter einem Bretter-Verschlag verschanzen, sondern wir könnten uns brüderlich die Hände reichen.

Ja, genau, kommen Sie jetzt hervor, wir beißen nicht selten nur gelegentlich, wir wollen doch nur spielen!
Ein wenig sollten wir doch jedoch die gleiche Sprache sprechen, aber auch das bekommen wir sicherlich irgendwie hin: Sprechen Sie deutlich, ohne Angst und ohne den Zwang, alles kontrollieren zu müssen, drehen Sie ein bischen an den Reglern, um den Spin umzukehren - Uns verdrehen Sie nur den Kopf, wenn Sie blödsinnige unpassende Ausdrücke wie "Claim" oder "Ich-Medium" aus Ihrem Vokabular streichen.

Ich freue mich auf Sie, hochachtungsvoll

Ihr namenloses Nesseltier

Author: nille | Permalink | Categories: kommentar

April 20, 2007 11:39 PM

Adventurer

Achtung! Ab jetzt wird heftig gespoilert..

Screenshot - S.T.A.L.K.E.R.


Hauptsächlich ist S.T.A.L.K.E.R. ein Shooter. Auf der anderen Seite ist das Spiel wie ein riesengroßer Sandkasten - In den man auch noch 1000 Ameisen geschüttet hat.
Sandkasten ist vielleicht der falsche Begriff, eher handelt es sich um ein Diorama, das ein Zauberlehrling zum Leben erweckt hat, eine überdimensionale Modelleisenbahn-Platte, auf der die kleinen Plastik-Bewohner zum Leben erweckt worden sind und ihre Körper vom Styropor-Boden gelöst haben.

Das Immersive einer so detailliert gestalteten Welt, die auf verschiedene Arten versucht, einem vorzugaukeln, sie wäre lebendig, macht es zwar möglich, daß man immer wieder wahre Kleinode entdecken und sich an ihrem Anblick erfreuen kann: Mir als Eisenbahn-Freund haben es besonders die verschiedenen Lokomotiven russischer Bauart angetan, aber man kann beispielsweise auch beobachten, wie sich ein Rudel Mutantenhunde über die Überreste eines verstorbenen "Mitspielers" hermacht oder einem verrückten Einsiedler, der sich in mitten eines Minenfeldes in einem ollen Wohnwagen verschanzt hat, auf den Zahn fühlen, man kann Verstecke plündern, deren Standort auf PDAs anderer Stalker verzeichnet ist, oder einfach versuchen, möglichst viele Artefakte zu bergen und zu Geld zu machen.

Aber "die Geister, die ich rief" werde ich nun nicht mehr los, denn trotz all dieser Beschäftigungsmöglichkeiten wird einem leider immer wieder schmerzhaft klar gemacht, daß man sich in einem Kriegsgebiet befindet.
Theoretisch kann man zwar vielen Konflikten aus dem Weg gehen, aber gerade im späteren Verlauf des Spiels kann das schnell in Frustration münden. Dann können nämlich auch die NPCs so weit sehen, daß man sich in deren unmittelbarer Nachbarschaft nicht mehr einfach so aufhalten und vor allem umschauen kann.

Dann verleitet einen das Spiel dazu, unmoralisch zu handeln, im Gegensatz zu beispielsweise Deus Ex, wo man häufig eine Belohnung bekommt, wenn man sich anderen Charakteren gegenüber hilfsbereit zeigt oder sie einfach nur in Ruhe läßt.
Die realistische Gehgeschwindigkeit, die realistische KI und realistisch berechnete Flugbahnen jedes einzelnen Projektils halten einen zwar in der Regel davon ab, wie Rambo alles nider zu mähen, was sich bewegt, aber nachdem man in einem Areal, das man auch gut hätte umgehen können, aufgeräumt und die letzte halbe Stunde damit verbracht hat, auszuforschen, ob sich etwas interessantes in den verfallenen verlassenen Häusern befindet, und ob man nicht irgendwo aus dem Level ausbrechen kann, erschreckt feststellen muß, daß in seiner unmittelbaren Umgebung die ganze Zeit über röchelnd ein NPC halb tot auf dem Boden gewälzt hat.
Wenn man dann auch noch feststellt, daß man die Person kennt, wenn man festellt, daß sie einen eigenen Namen hat, "Schenja Zyniker", und weiß, daß sie schon mindestens zwei virtuelle Wochen in dieser unwirtlichen Landschaft überlebt und an Erfahrung gewonnen hat, kann man kaum anders, als kurz zu zögern und zu schlucken, bevor man sich wieder ins Gedächtnis gerufen hat, daß es keinen Unterschied macht, ob man der Person den Gnadenschuß versetzt oder sie liegen läßt..

Dann sollte man sich an Peter Lustig halten und abschalten. Dann können die Entwickler sich ihren ganzen "Realismus" hinstecken, wo die Sonne niemals scheint..

Screenshot - S.T.A.L.K.E.R.


Scavenger
Trespasser

Author: nille | Permalink | Categories: games

April 18, 2007 9:12 PM

Trespasser

Achtung! Ab jetzt wird heftig gespoilert..

Screenshot - Stalker


Der Tag neigt sich dem Ende entgegen, es blitzt und donnert und es schüttet wie aus Eimern, obwohl vor einer Weile noch eitel Sonnenschein herrschte.
Man befindet sich dennoch in einem Videospiel, das merkt man daran (sofern man geduldig genug ist), daß 365 Tage im Jahr Herbst ist. Oder viel mehr ewiger nuklearer Winter.

Vor Erschöpfung und Hunger kann man keinen Schritt mehr auf der Hauptstraße gehen. Der Rucksack ist voll gestopft mit wertvollen Artefakten, die man mühsam aus der unmittelbaren Umgebung einer Gravitations-Anomalie geborgen hat.
Der eigentlich Grund, warum man im wahrsten Sinne des Wortes nur schleppend voran kommt, sind die Pistolen und Gewehre, die wenige Kilometer die Straße hinunter einmal das Handwerkszeug einer Gruppe Banditen darstellte, die auf eine etwas unkonventionellere Art und Weise in den Besitz von Artefakten gelangen wollte.
Des Einen Freud, des Anderen Leid - Oder auch nicht. Man kann dem skrupellosen Händler in der Bar 100 Rad zwar nun ein wenig mehr zum Verkauf anbieten, aber zum Einen haben die Rendezvous mit Anomalien und Wegelageren der Haltbarkeit seines gepanzerten Strahlen-Schutz-Anzuges einiges abverlangt und mehr als nur ein paar Kratzer hinterlassen. Bei der nächsten Begegnung mit einer Gravitations-Anomalie braucht man sich sicher keine Gedanken ob ein paar geprellter Rippen machen, wenn man dieses Unterfangen mit einem kaputten Anzug angeht.

Zum Anderen, und das führt uns wieder zur eigentlichen Problematik, will der ganze Krempel erst einmal zur Bar in das Camp der Wächter transportiert werden.
Glücklicher Weise ist man jetzt wieder etwas bei Kräften und kann wenigsten die paar Meter zu dem halb verfallenen Haus abeits der Strecke laufen, in dem eine Gruppe befreundeter Mit-Stalker sich niedergelassen haben, ebenfalls um zu ruhen, und um sich am Lagerfeuer Geschichten zu erzählen und einige traurige Akkorde auf der Gitarre zu spielen.
Mit etwas Glück sind auch etwas erfahrenere Kollegen dabei, die genug Geld haben, um eines deiner Artefakte erwerben zu können. Ganz bestimmt kann man sich hier mit einem Brot und einer Konsevere, um den Hunger zu stillen, eindecken.
Ebenso mit Verbandszeug, denn nicht allein die Banditen hatten den Verlust von Blut zu beklagen, allerdings bei ihnen waren es ein paar Liter mehr. Auch mit kleineren Wunden ist nicht zu spaßen, sie wollen schnell bandagiert werden. Darüber wird sich jeder, der die Zone betritt, ganz schnell im Klaren sein müssen.

Es wäre beinahe bedauerlich, befände sich unter den Rastenden ein Stalker, auf den ein Kopfgeld ausgesetzt wäre. Denn eine solche Gelegenheit würde man sich nicht entgehen lassen wollen, schließlich ist keinesfalls gewährleistet, daß beim nächsten Mal, wenn man wieder hier vorbei kommt, sich diese spezielle Gruppe immer noch hier aufhalten wird.
Es könnte gut sein, daß sie dann längst weiter gezogen ist. Oder von einem größeren und/oder erfahreneren Banditen-Konglomerat überrumpelt wurden. Dann wird man beim nächsten Besuch weniger freundlich empfangen werden. Banditen lassen lieber ihre Bleispritzen für sich sprechen.
Eben so könnten sich die auf der Suche nach unvorsichtigen Stalkern oder deren Überresten durch die Lande ziehenden Rotten mutierter Haus- und Wildtiere als die Nutznießer einer Begegnung mit einem gesuchten Stalker erweisen und dann zusammen mit ihren zwischenzeitlich gezeugten Nachkommen an dessen Knochen nagen.

Hier jedoch handelt sich zum Glück nur um Schenja Zyniker und seine Kollegen, die genau so grün hinter den Ohren sind, wie er...

Scavenger

Author: nille | Permalink | Categories: games

April 17, 2007 8:41 PM

Scavenger

Achtung! Ab jetzt wird heftig gespoilert..

Screenshot - S.T.A.L.K.E.R.
  • 428.298,- Rubel auf dem Konto
  • 827 Gleichgesinnte, die leider auf der Strecke blieben
  • Circa 600 Kugeln im Roten Wald verschossen, bevor die letzten verbliebenen Gegner sich allein dir und deinem Messer entgegen stellen mußten
  • 245 mutierte Wildtiere und Monstrositäten sahen in dir nur ein kleines Häppchen
  • 74 durch den Einsatz von Schweiß, Blut und Tränen erfüllte Auträge
  • Bis zu 70 kg Gepäck auf dem Rücken, immer noch zu wenig, um hier ein Leben ohne Entbehrlichkeiten zu führen
  • 30 km2 feindselige, extrem verstrahlte Landschaft, gespickt mit todbringenden Anomalien, gilt es, zu Fuß zu durchqueren
  • 20 Tage lang warst du auf dich allein gestellt, hast wie durch ein Wunder überlebt, obwohl so viele, die vor dir gingen nicht mehr zurück kamen
  • (Geschätzt) 10 kg Wurst verzehrt, zu einem Preis von ca. 2.000 Rubel
  • 10 verschiedene Fraktionen haben es entweder auf deine Gunst oder dein Leben abgesehen
  • Nur 3 Stalker haben es bisher überhaupt bis zum Reaktor geschafft
  • 2 diabolische Maschinen, die dein Blut zum Kochen bringen und deinen Geist dahin schmelzen lassen
  • 1 Aufgabe, die du unmöglich erfüllen kannst
  • Eine Entscheidung - für die Erfüllung deines sehnlichsten Wunsches oder für die Wahrheit


Screenshot - S.T.A.L.K.E.R.

Author: nille | Permalink | Categories: games

April 14, 2007 2:27 AM

Trouble mit Tux

Es mußte natürlich das Neueste vom Neuesten sein, damals, als ich anfing, Linux zu benutzen. Alles hübsch transparent und mit Schatten.
..Und nun habe ich den Salat - Mal wieder! Nicht umsonst steht Debians SID, momentan das, was irgendwann einmal Version 4.1 aka "Lenny" werden soll (Dieses Mal nicht nach einem Toy Story-Charakter benannt?), für still in development.
Nun ja, auf jeden Fall ging es nun nicht mehr anders, nachdem ich mich ewig davor gedrückt hatte, mußte ich auf den Kernel 2.6 umsatteln. Wie zu erwarten war, ging erstmal überhaupt nichts mehr (Gibt es kein devfs mehr?). Das Kompilieren hat auch erst einmal ewig gedauert. Nachdem die ersten Ecken und Kanten glatt gehobelt waren, gab es allerdings eine Offenbarung: Das Ding hat Feuer unterm Arsch! Booten und auch alles andere ging gefühlt doppelt so schnell von statten, als wäre vorher die Handbremse angezogen gewesen. Wenn man etwas an der Kernel-Config ändert, wird glücklicher Weise auch nicht mehr alles neu kompiliert, Jubel!

Ein paar Kleinigkeiten gehen allerdings immer noch nicht, aber braucht schon Sound und X? :(
Aber jetzt-mal-im-ernst™: Hat jemand eine Idee, warum der Sound unter ALSA knarzt wie eine abgenudelte Schallplatte und warum Synaptics-Treiber für X mein Touchpad nicht mehr erkennt? Dr. Tux, hifl mir bitte.

Author: nille | Permalink | Categories: me, myself & i

April 13, 2007 7:00 PM

What the future holds..

"Never let the future disturb you. You will meet it, if you have to, with the same weapons of reason which today arm you against the present." - Marcus Aurelius Antoninus


Or not..?!

Author: nille | Permalink | Categories: txt, net

April 04, 2007 9:58 AM

Pfui, Spinne!

Als ich vorhin den Feedreader meines Vertrauens öffnete, um zu sehen, was sich derzeit in der Blogosphäre so abspielt, hat es mich richtig umgehauen, die Schuhe ausgezogen, mir ist die Kinn-Lade herunter geklappt..
Der Grund dafür: Dieses Wortfeld-Posting, das eine minutiöse Beschreibung einer der in meinen Augen verachtenswertesten Werbe-Kampagnen seit langem beherbergt.

In diesem Fall darf man den Begriff "Kampagne" durchaus in seiner ursprünglichen Bedeutung verstehen, denn sich auf solch eine respektlose Art und Weise an Jugendliche heran zu machen, empfinde ich einen Feldzug gegen die Glaubwürdigkeit von Weblogs und deren Autoren, und persönlich als einen Schlag ins Gesicht.

Man kann anscheinend leider auch im Web der zweiten Generation nicht paranoid genug sein.

Author: nille | Permalink