2008/06 Archives

June 29, 2008 4:00 PM

Same procedure as last game

Ergänzend zum letzten Eintrag will ich es nicht versäumen, auf die erst- und zweitplatzierten Einträge aus der "Procedural Generation Competition" von TIGSource hinzuweisen, denn die beiden in extrem kurzer Zeit geschaffenen Spiele sind wahrhaftig exzellent:

Screenshot - Rescue the Beagles

Rescue the Beagles ist nicht nur schrecklich niedlich und transportiert eine ernsthafte Botschaft (Rette die süßen Hundewelpen vor Vivisektoren, Labor-Angestellten und experimentierenden Ärzten), sondern besitzt auch einfache wie grandiose Spiel-Mechaniken - Laufend, hüpfend, fallschirmspringend und Seile herauf kletternd bewegt man sich links und rechts, auf und ab auf drei verschiedenen Ebenen, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit verschieben.
Steigungen und Absätze formen Hindernisse, die einem den Wechsel zwischen den Ebenen, auf denen sich Beagles und Gegner befinden.. Hört sich einfach an, mit steigender Geschwindigkeit kommt jedoch ziemliche Hektik ins Spiel, was dem Spaß nicht abträglich ist.

Screenshot - Dyson

Bei Dyson handelt es sich um ein einfaches Strategie-Spiel, in dem das Ziel darin besteht, Asteroiden mithilfe der Samen von Bämen, die auf deren Oberfläche wachsen und angepflanzt werden müssen, zu kolonisieren - Bevor die Gegner dies tun, beziehungsweise deren Territorium erobern.
Trotz der wenigen vorhandenen Spiel-Elemente und moderaten Geschwindigkeit, ist man ob der vielen Asteroiden und Einheiten gelegentlich sehr gefordert (um so mehr, bestände die Möglichkeit, gegen menschliche Gegner zu spielen). Mikro- und Makro-Management sind gefordert, da man einerseits einzelne Asteroiden bepflanzen, angreifen und auf ihnen Einheiten zusammen ziehen muß und andererseits das Gesamtbild mit den sich ständig verschiebenden Fronten im Auge behalten muß.

Alle Compo-Einträge kann man hier einzeln oder gebündelt herunterladen und darunter wahrscheinlich noch andere Spiele-Perlen für sich entdecken.

Author: nille | Permalink | Categories: games

June 26, 2008 7:46 PM

Kein Kaese

TOJam, genauer gesagt die Website des Toronto Game Jam 2008 verdeutlicht, daß man unbedingt ein Auge auf die Indie-Szene* geworfen haben sollte.

Dort findet man naturgemäß viel Innovation vor, denn, wer mit einem Budget für Öffentlichkeitsarbeit von in der Regel Null Mark und Null Pfennig von sich reden machen will, muß schon etwas mehr zu bieten haben als gesichtslose First-Person-Shooter. Dazu kommt, daß unabhängige Entwickler weder Erfolgs- noch Termindruck ausgesetzt sind, es sei denn, sie wollen es so.

In meinen Augen haben diese Entwickler-Enthusiasten, indem sie ziemlich konsequent das ganz okaye X360-Gamepad unterstützen (Bills Bande und ihre DirectX-Bibliotheken sind wohl auch nicht ganz unschuldig daran), mehr für die Entwicklung der Plattform PC getan als die ominöse PC-Gaming-Alliance, von der ich nur gehört habe, daß sie existiert.

Die TOJam-Website ist übrigens auch ganz nett, eigentlich schon ein Spiel für sich und eines der seltenen Beispiele für gute Werbung (die kann man nämlich abusen, um die Invasoren länger in der Luft zu halten ;)..

Ach, ja: Dort findet man übrigens auch einen Haufen netter Spiele, die während der 3 Tage langen Un-Competition entstanden sind, z. B.

Screenshot - A game about bouncing Screenshot - A game about bouncing

a game about bouncing, bei dem man dem weißen Kreis mit dem linken Analog-Stick ein wenig anschubsen, mit dem rechten Stick seine gummiartigen Fangarme dirigieren kann, um sich von den schwarzen Kreisen abzustoßen und so den Raketen, die einen eines der drei vorhandenen Leben kosten können, zu entkommen.

Screenshot - Flowers of error Screenshot - Flowers of error

oder flowers of error, das gänzlich mit der Mouse bedient wird. Man zieht die ebenfalls kreisrunde weiße Spielfigur weg von den gelben, bedrohlich auf einen zu fliegenden Kreisen, 'nimmt' eine gelb umrandete Bombe, um sich einen Korridor zwischen den Massen lebensfeindlicher Partikel frei zu sprengen und sammelt deren Überreste in Form verschiedener Buchstaben, die, sofern man nicht so schlecht spielt, wie ich, am Ende einen (möglicher-)weise(n) Spruch ergeben, ein.

*) Im Grunde mag ich dieses Label ja garnicht - Hobbyisten oder Amateure beschreibt den Sachverhalt zwar korrekt, wird der exzeptionellen Arbeit, die einige Spielentwickler leisten, allerdings auch nicht gerecht.. Und das verstände dann wieder niemand.

Author: nille | Permalink | Categories: games

June 14, 2008 1:28 AM

Dangereux

Penny Arcade, der Web-Comic, ist nerdig, klischeehaft überzogen, derb, zuweilen auch brutal und etwas pubertär, und -ach, ja- verdammt witzig. Wer jedoch den Humor des Penny Arcade-Comic nicht mag, wird wahrscheinlich auch am Penny Arcade-Spiel
kein gutes Haar lassen können, denn im Grunde ist On the Rain-Slick Precipice of Darkness eine Weiterführung des Comic in einem anderen Medium.

Screenshot - Penny Arcade Adventures

Auf der anderen Seite sollte man sich nicht vom Titel des Spiels ins Bockshorn jagen lassen: Bei der ersten Episode der "Penny Arcade Adventures" handelt es sich nicht wirklich um ein Spiel, das man dem klassischen Genre des Adventures zuordnen würde. Viel mehr erwartet einen unter der falschen Nase und einem angeklebten Bart ein waschechter Final Fantasy-Klon mit Active-Time-Battles, Random Encounters und den zu Phoenixfeder & Co. analogen Items, nur Mana ist nicht vorhanden, aber zum Ausgleich vergeht die Zeit, bis man wieder eine Spezialattacke auführen oder einen Support-Charakter dazu holen kann, entsprechend langsamer.

Den Konventionen eines Rollenspiels entspricht auch, daß die Figur, die man spielt, als eine leere Projektionsfläche ohne Vorgeschichte oder festgelegte Persönlichkeit daher kommt. Es ist zwar nett, daß man ihr einen eigenen Namen geben und Aussehen individuell gestalten kann, aber leider führt dies auch dazu, daß die Figur nie richtig in die Geschichte eingebunden wird. Man erfährt nur, daß ein gigantischer Riesenroboter mit einem Fußtritt sein Haus zu Sägenspänen verarbeitet und man sich aus Gründen aufkeimender Rachegelüste den beiden Gründern und bis dato einzigen Mitarbeitern der Startling Developments Detective Agency, Gabe, dem Fäuste schwingenden cholerischen Kämpfer gegen das Böse, und Tycho, dem ruhigen und gewissenhaften Akademiker mit Abschluß in Apokalyptik, anschließt, doch der eigene Character-Sheet bleibt leer.

Dem gegenüber steht die detaillierte, humorvolle und oftmals mit (pop-)kulturellen Anspielungen gespickte Beschreibung beinahe jedes am Wegesrand liegenden Objekts, so daß bei mir der Eindruck entsteht, hier sei eine Menge Potential zu Ungunsten des eigentlichen Plot, den man durch ausführlichere und vielfältigere Dialoge, möglicherweise gar non-lineare Quests, intensiver hätte vorantreiben können, verloren gegangen.

Einerseits ist es ganz lustig, wenn auch bissig-, ironische Kommentare zu Kontroversen aus der Welt der Videospiele, wie Gabes Ausspruch "You can't beat up enough Hobos", zu (In welchem Spiel war es doch gleich, wo man zu Beginn einen Obdachlosen verprügeln mußte? The Warriors? Condemned? Beide?) zu hören, doch ich glaube, ein wenig mehr Abstand der Autoren zu ihren Alter Egos Gabe und Tycho, beziehungsweise die Einführung gänzlich neuer Haupt-Charaktere, hätte dem Spiel besser getan.

So befinden sich die Protagonisten quasi in ihrer eigenen Phantasie, in einer nach ihren nerdigen Vorlieben gestalteten Steampunk-Welt, die von gewalttätigen Pantomimen, die mit imaginären Pistolen erstaunlich realen Schaden verursachen, vulgären Saftpress-Robotern, mit schneidend scharfen Akkorden bewaffneten Barbershop-Quartette und einem Urinologen, der sich mit (naja, man kann es sich leicht ausmalen) beschäftigt, bevölkert ist.

Screenshot - Penny Arcade Adventures

Für sich genommen wirken diese Figuren herrlich schräg und absurd, und ich vergaß mehrmals vor Lachen, während ein Pantomime meinen Charakter mit einem unsichtbaren Lasso einfing und sich zu ihm heran zog, das Weiterkämpfen. Allein in einem drei Panel langen Comic wären diese verschiedenen Gestalten äußerst gut aufgehoben, leider nicht unbedingt zusammen in einem Spiel; dazu wird ihre Verbindung untereinander und zum Plot einfach nicht intensiv genug heraus gestellt. Aber dabei kann es sich auch um einen Fluch der episodischen Veröffentlichung handeln, wodurch ja selbst ein Obermotz von einem Spiel wie Half-Life 2 etwas in Mitleidenschaft gezogen wird.

Alle oben genannten kleinen Unzulänglichkeiten würden noch weniger ins Gewicht fallen, wäre das Kampf-System wirklich allererste Sahne, denn, da stimme ich mit Gabe überein, Monster zu bekämpfen geht immer! Schade nur, daß die Items, die schon recht hilfreich sind, um die Kämpfe souverän und komfortabel zu bewältigen, überall verstreut in Mülltonnen und Kisten herum liegen. Ihrer habhaft zu werden, ist also eine reine Fleißaufgabe, sie stellen keine Belohnung dar, da man sie ohne Rätselraten oder "Bild absuchen" überall findet. Man hätte lieber Zauber oder ähnliches daraus machen und an weniger Stellen im Spiel verteilt Orte, an denen man sein Mana auffüllen kann, platzieren sollen. Dann hätten die kämpferischen Auseinandersetzungen eine strategischere Komponente und man würde sich nicht so unter die Arme gegriffen vorkommen. Die wenigen vorhandenen Mini-Jahrmarkt-Spiel sind, Himmel sei Dank, optional. Daß aber vor die nicht ganz unnützen Spezial-Attacken eine Hürde in Form von Quicktime-Events gesetzt wurde, halte ich für ein Verbrechen sondergleichen und hat mich regelmäßig davon abgehalten, sie zu benutzen.

Screenshot - Penny Arcade Adventures

Trotz einiger Widrigkeiten, ist es jedoch äußerst lobenswert, daß endlich ein neues Spiel erschienen ist, das die beim Spielen von Titeln wie "GTA 4", bei dem man lieber heulen möchte, vollkommen verkümmerten Lach-Muskeln wieder ordentlich beansprucht. Die Rettung des Adventure-Genres ist dann ja vielleicht "A Vampyre Story"..


Author: nille | Permalink | Categories: games